Let’s talk about: Autism

Zu diesem Beitrag wurde ich durch das Buch „Ein Tor zu eurer Welt“ von Aaron Wahl bei Droemer Knaur erschienen inspiriert. Vielen Dank nochmal für das Rezensionsexemplar!

Viele werden es wahrscheinlich nicht wissen, aber ich studiere Soziale Arbeit. Da ich dual studiere, arbeite ich neben dem Studium in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen. Dort sind viele Menschen mit frühkindlichem Autismus beschäftigt. Derzeit absolviere ich ein Praktikum in einer Werkstatt für Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen. Hier arbeiten auch einige Menschen mit Asperger Autismus. Ich komme also beruflich viel mit Autisten in Berührung.

Als erstes möchte ich zu diesem Post sagen, dass ich hier nur meine Meinung präsentiere und aus meinen persönlichen Erfahrungen berichte. Ich möchte damit andere Menschen über das Thema aufklären und sie dafür sensibilisieren. Wir leben heute in einer Gesellschaft, die nach außen hin Teilhabe und Gleichberechtigung schreit, aber wie Aaron in seinem Buch ganz treffend schreibt: „In einer Welt, die sich über Abgrenzung definiert, ist man automatisch ein Außenseiter, wenn man Grenzen ignoriert.“. Ich möchte mit meinem Blog versuchen, diese Grenzen wenigstens ein kleines bisschen verblassen zu lassen. Helft mir dabei, indem ihr darüber sprecht und andere aufklärt.

Wenn man hört, dass jemand Autist ist, denkt man sofort an bestimmte Zuschreibungen, sie haben keinen Zugang zu ihren Gefühlen, können sich nicht in die Gefühle anderer hineinversetzen, leben in ihrer eigenen Welt. Auch das Wort „Inselbegabung“ schwirrt einigen gleich im Kopf herum. Und die können ja gut mit Zahlen.. Die Diagnose „Autismus“ heißt für mich nicht automatisch, dass die genannten Aspekte auf diesen Menschen zutreffen. Autismus ist eine Spektrums-Störung und lässt sich zum einen in den „frühkindlichen Autismus“ und zum anderen in den „Asperger-Autismus“ abgrenzen. Ich kenne keinen Autisten, der so ist, wie ein anderer. Natürlich gibt es gewisse Zuschreibungen, die bei dem einen zutreffen, bei anderen aber wiederum nicht. Ich würde Autisten als sehr vielfältig beschreiben.

In meiner täglichen Arbeit lerne ich die unterschiedlichsten Menschen kennen. Eine Werkstatt dient dazu, diesen Menschen berufliche Teilhabe zu ermöglichen. Oft sind sie durch den Autismus so eingeschränkt, dass sie nicht in der Lage sind, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, sie benötigen Unterstützung dabei. Werkstätten bieten ihnen diese Möglichkeit und geben ihnen eine gewisse Struktur, die ihnen dabei hilft, ihren Alltag bewältigen zu können. Und glaubt mir, nicht jeder Autist benötigt diese Unterstützung und unsere Gesellschaft könnte viel mehr dafür tun, an der jetzigen Situation etwas zu ändern. Stichwort: Inklusion.

Gerade in der letzten Woche hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit einer Asperger-Autistin. Sie sagte mir, dass sie viele Schwierigkeiten sogar in ihrer Familie hat. Denn man kann ihr ihre Beeinträchtigung nicht ansehen. Viele Menschen in ihrem Umfeld reden ihre Schwierigkeiten herunter und sagen Dinge wie „reiß dich mal zusammen, du hast doch nichts..“. Für mich zeigt dies, dass viel mehr über solche Beeinträchtigungen aufgeklärt werden sollte. Nur weil man etwas nicht sieht, heißt das nicht, dass es nicht stimmt. Auch Aaron beschreibt solche Probleme. Die Leute in seinem Umfeld verstehen ihn nicht und er wird gerade während der Schulzeit schwer gemobbt. Nachdem er mit Anfang 20 die Diagnose „Asperger Autismus“ erhält, erklären sich für ihn selbst und seine Familie einige Dinge.

Was ich mit diesem Beitrag sagen möchte: Guck immer auf den Menschen der vor dir steht. Lasse dich nicht von irgendwelchen Diagnosen oder Vorurteilen beeinflussen. Bilde dir selbst eine Meinung. Mach dir selbst einen Eindruck, statt auf das zu hören, was andere sagen.

Auch Menschen mit Autismus sind Menschen wie du und ich. Sie sind nicht weniger wert, sie sind vielleicht auf ihre Weise etwas besonderes und entsprechen teilweise nicht unserem Bild von „Normalität“, aber wer ist denn schon normal bzw. möchte normal sein? Menschen mit Autismus haben Fähigkeiten, die wir sehen müssen. Keiner von uns möchte, dass seine Fehler und Defizite im Vordergrund stehen. Lasst uns also mehr darauf achten, was andere für Fähigkeiten haben, worin sie gut sind, worin sie vielleicht besser sind als wir. Ich wünsche uns allen, dass wir ein wenig ehrlicher mit uns selbst und anderen werden, dass wir auf die Menschen in unserem Umfeld achten und andere darin unterstützen, mit ihren Problemen umzugehen.

Puuh, das ist ein wenig vom Thema abgedriftet. Aber ich würde mich freuen, wenn es einige zum Nachdenken anregt. Und noch mehr würde ich mich freuen, wenn es jemanden dazu anregt, dieses Buch zu lesen!

Schreibt mir gerne, wenn es irgendwelche Fragen gibt. Was habt ihr denn für Erfahrungen mit Menschen mit Autismus? Habt ihr das Buch gelesen? Wie sind eure Gedanken dazu? (Schreibt mit gerne bei Instagram, per Email oder einfach als Kommentar ♥)

 

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2 Gedanken zu “Let’s talk about: Autism

  1. Danke für diesen Beitrag!
    In der Firma, in der ich arbeite, macht gerade ein Autist die Ausbildung zum Industriekaufmann. Seine Eltern haben ihn nie irgendwie anders behandelt und seine Andersartigkeit immer ignoriert bzw. verleugnet. Was es für den Jungen und alle in seinem Umfeld (z. B. habe ich mit einem ehemaligen Lehrer von ihm gesprochen) total schwer macht. Auch die Ausbildung bringt ihn an seine Grenzen, weil er teilweise einfach anders denkt, fühlt, handelt als man es gewohnt ist.
    Ich selbst hatte auch erst meine Schwierigkeiten, wie ich mit ihm umgehen sollte. Einerseits wollte ich ihn nicht „anders“ behandelt und ihn so zum Außenseiter machen. Andererseits braucht es einfach eine gewisse Anpassung, wie man Dinge erklärt, wie man mit ihm umgeht.
    Ich denke dieses Leugnen der Eltern ist nicht die richtige Lösung. Ich finde es gut, dass man ihn nicht „einfach abschiebt“ oder komplett anders behandelt. Aber ich denke, man würde ihm (und eben auch Lehrern, Kollegen usw.) einen großen Gefallen tun, wenn man seine Andersartigkeit von Anfang an angesprochen hätte.
    Zum Glück ist er inzwischen 18, konnte mittlerweile selbst zum Arzt gehen, sich den Autismus bescheinigen lassen und kann jetzt ganz anders damit umgehen.
    Viele Grüße
    Felicitas

    Gefällt 1 Person

    • Vielen Dank für dein Kommentar.
      Wegen solcher Geschichten möchte ich einfach darüber aufklären und meine Erfahrungen teilen. Ich habe die Hoffnung, wenigstens ein kleines bisschen die Augen anderer zu öffnen.
      Liebe Grüße und schöne Ostern!

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